Yoga für Männer 2 Yogschule Carolin Flinker

Allein unter Frauen?

Wenn ich mich in meinen Kursen so umschaue, fällt mir auf, daß die Männer immer noch sehr schwach vertreten sind. Warum ist das so, frage ich mich?

Könnte es die Angst vor dem „Quotenmann“ sein? (was im Moment ja hin und wieder auch so ist… ;o)), daß Yoga zu „weiblich“ ist, daß Mann sich blamiert, wenn er nicht sportlich genug ist? Vielleicht kannst du als Mann es mir beantworten.

Ich selber finde nämlich keinen wirklichen Grund, warum noch sehr wenig Männer es in die Kurse schaffen.

Als Yoga in Indien wiederentdeckt wurde ( auch dort war es lange in Vergessenheit geraten, sogar total „out“) waren es zunächst mal  – kururell bedingt – nur Männer, die Yoga praktizierten und es dann auch weitergaben. So sind viele der  „Yogagrößen“, genau: Männer. Und die werden inzwischen weitgehend von westlichen Frauen verehrt und ihnen wird nachgeeifert. Ich bin der Meinung, die Zeit ist reif, daß die Männer wiede auf´s yogische Spielfeld zurückkehren.

Yoga ist beileibe nicht „weiblich“ oder „unmännlich“. Yoga ist völlig neutral. Yoga ist eine Lebensweise, eine Sicht auf die Welt aus einem ziemlich entspannten Bewusstsein heraus. Und das fühlt sich einfach gut an.

„Weder dies noch das, weder Mann noch Frau“
Man könnte sagen, es geht um einen Zustand, in dem die Konditionierung als Mann oder auch als Frau keine Rolle mehr spielt. In dem jegliche Konditionierung auf eine gewisse Weise „stirbt“. Wir sind ja alle mehr oder weniger eingeschossen auf bestimme Denk- Verhaltens- und Reaktionsweisen, die wir oft meinen, nicht ändern zu können (oder wollen…). Vielleicht fühlen wir uns manchmal sogar als „Opfer der Umstände“. Kommen aus dem Hamsterrad des Funktionierens nicht raus oder fühlen uns irgendwie einfach nicht mehr so richtig lebendig, vielleicht sogar erschöpft und gar nicht mehr „mächtig“.

Die innere Macht wiederentdecken
Ich nutze dieses Wort, das oft mißverstanden wird, ganz bewusst, denn darum geht es im Yoga: Die Macht wieder zu dir zu nehmen, sie zutiefst in dir zu erleben und aus ihr zu handeln. Das kann sehr männlich sein, wenn du es so nennen magst. Ist aber in erster Linie mal sehr menschlich. Oder natürlich. Nenne es wie du magst. Ich empfinde es einfach als sehr wach und lebendig und lebenswert. Aus dieser mächtigen Kraft zu handeln heißt ja nicht, dich durchzusetzen und andere zu unterwerfen, sondern deinen ganz eigenen Weg zu gehen, unabhängig von Trends und Moden, von Archetypen und Idolen. Kurz: Du zu werden.

Kompliziert? Nö
Dieses Gefühl spiegelt sich in einigen der Yogahaltungen auch 1:1 wieder, z.B: in der Heldenhaltung.

Was wir im Yoga machen: Erst nehmen wir die Spannung aus dem Körper. Das fördert schon mal das Gefühl für deinen Körper und deine Präsenz. Denn diese immense Anspannung, die irgendwie über den Lauf deines Lebens nahezu unbemerkt entstanden ist, lähmt diese Ur-Kraft, die jeder Mensch ja mal gespürt hat.

Die Yogaübungen werden mal sanft, mal kraftvoller ausgeführt, aber immer im Einklang mit deinem Körper und seinen Möglichkeiten. Meist mit geschlossenen Augen, so haben Konkurrenzgedanken keine Chance. Ein durchdachter „Bogen“ an Übungen gepaart mit Einblicken in das Yogawissen und einer Tiefenentspannung am Ende der Stunde helfen, den inneren Stress immer weiter abzubauen und ein Gefühl der Freude und Aufrichtung zu erleben.

Teilneherstimmen

Yoga tut meinem Rücken gut, ich spüre mehr Aufrichtung. Es macht gute Laune wenn ich etwas für meinen Körper tue. Es sind lauter nette Leute im Kurs.
(T.K.)

Warum ich zum Yoga gehe:
Als ich vor fünf Jahren damit anfing, war der Hauptgrund, aus dem beruflichen Hamsterrad zu fliehen. Irgendwann erkennt man, dass zehn Stunden Bürodienst auf Dauer nicht sinnvoll sind. Aber das abzustellen ist nicht so einfach. Der innere Ehrgeiz ist stark.

Den Geist zu beruhigen und die Gedankenmühlen auszubremsen, das ist es, warum ich seitdem immer wieder dabei bin. Im Laufe der Zeit erreicht man einen Grad an Gelassenheit, der hilft, viele Dinge im Alltag nicht so verbissen zu sehen, nicht alles direkt zu bewerten und zu verurteilen.

Oft genug stelle ich fest, die Welt um mich herum ist ruhig und friedlich, auch wenn gerade etwas schief ging und nicht so gelaufen ist, wie geplant. Das Leben hält immer Überraschungen bereit.

Wenn mich meine Kollegen auf die Yoga-Stunden ansprechen, dann sage ich manchmal: Yoga macht man für den Kopf. Das muss ich dann meist erklären, weil viele Menschen eher an die typischen Yoga-Bewegungen denken.

Im ersten Jahr bin ich irgendwann auf die Seite https://www.boysofyoga.com/ gestoßen. Da gibt es auch einige Trainingsvideos, wo man eine Idee bekommt, wie das mit Männern und Yoga funktionieren kann. 🙂
(S.H.)

Als ich vor ca. 15 Jahren mit meinem ersten Yogakurs begann war ich selbstverständlich der Quotenmann. Das war für mich unerheblich, weil ich damals dachte: na ja, ich konzentriere mich mal auf die besonders schwierigen, anstrengenden und kraftvollen Asanas, dann ist das schon männlich genug. Beim Handstand bin ich dann jedoch kläglich gescheitert und langsam sickerte in mein Bewusstsein ein wie einseitig meine Betrachtungsweise über Yoga ist.

Glücklicherweise habe ich auf unterschiedlichen Wegen, unter anderem auch bei Ausbildungen und Seminaren, sehr intensive, spirituelle Erfahrungen erlebt, die meine Betrachtungsweise und die Praxis des Yogas vollkommen verändert haben.

Jetzt stehen für mich die Körperhaltungen im Yoga nicht so sehr im Mittelpunkt, obwohl ich immer noch sehr gerne den Helden mache und manchmal auch sein möchte ;-)!

Irgendwie ist die Haltung anders, die Atmung tiefer, kräftiger und trotzdem angenehm ruhig. Und wenn sich dann auch noch der plappernde Geist beruhigt und das Bewusstsein in der Stille den Körper weitet und aufrichtet empfinde ich dabei tiefen Frieden und fühle mich sehr verbunden.
(C.L.)